Dienstag, 26. August 2008

Kambodscha

Im April 1975 marschierten die Streitkraefte der Roten Khemer in Phnom Penh ein und trieben die Bevoelkerung gewaltsam aufs Land um dort ihre neue Existenz als Kleinbauern aufzunehmen.Mit dem Fall Phnom Penhs begann eines der blutigsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit. Die Roten Khmer begannen, die radikalen Ideen ihres „Bruders Nummer 1“, Pol Pot, vom kommunistisch-primitivistischen Bauernstaat konsequent umzusetzen, und zwangen die Bevölkerung unter Androhung der Todesstrafe, die Hauptstadt binnen 48 Stunden zu verlassen. Sie sollten auf dem Lande als Bauern und Landarbeiter eingesetzt werden. Diese Menschen hatten noch das gluecklichere Los, denn Pol Pot befahl Massenexekutionen von Intellektuellen, Lehrern, Gebildeten und deren Familien. Selbst das Tragen einer Brille galt als Anzeichen fuer Intelligenz und wurde als Verbrechen eingestuft, das mit dem Tode zu bestrafen war. So überlebten landesweit nur 50 Ärzte und 5.000 von vormals 20.000 Lehrern. Die Herrschaft Pol Pots war ebenso von seiner Paranoia und der seiner Anhänger geprägt, die jeden, der nicht pünktlich zur Arbeit erschien, als Volksverräter bestraften. Die Kambodschaner waren gezwungen worden, schwarze Einheitskleidung zu tragen, und mussten täglich 12 Stunden und mehr unter schwersten Bedingungen Landarbeit verrichten, ohne entsprechend mit Nahrungsmitteln und Medizin versorgt zu werden. Schon nach kurzer Zeit konnten die Bauern nicht einmal mehr den Reisbedarf des eigenen Volkes decken, und nicht wenige mussten sich von Ratten ernähren, um nicht zu verhungern. Die Schreckensherrschaft dauerte vier Jahre lang, bevor vietnamesische Streitkraefte 1979 in der Hauptstadt, die bis dahin eine Geisterstadt war (4 Jahre!), einmarschierten. Bis zu jenem Zeitpunkt waren mindestens eine million, moeglicherweise aber auch bis zu drei millionen Khemer dem Voelkermord zum Opfer gefallen. Im berüchtigten „Sicherheitsgefängnis 21“ in Phnom Penh überlebten 7 von insgesamt 20.000 Gefangenen. Wer dort nicht an der Folter starb, wurde auf den Killing Fields vor den Toren der Stadt umgebracht. Heute hab ich mir diese zwei schrecklichen Plaetze angeschaut. Im Sicherheitsgefaengnis S21 wurden die Menschen auf kleinstem Raum gehalten, und verblieben zwischen 2 und 7 Monaten hier, wahrenddessen sie auf die unterschiedlichsten, sadistischsten Methoden gefoltert wurden, bis sie die Gestaendnisse erbrachten, die die Khmer Rouge hoeren wollten. Wer die Folter ueberlebte, wurde dann in Lastwagen aus der Stadt gefahren, wo er ermordet und in Massengraebern verscharrt wurde. Das Gefaengnis von Toul Sleng ist in vier Gebaeude unterteilt, und man durchlaeuft eine Dramaturgie des Schreckens: Im ersten Gebaeude befinden sich Folterzellen und Bettgestelle, auf denen die 14 Leichen lagen, die die vietnamesischen Befreier im Januar 1979 vorfanden (neben 7 Ueberlebenden - 7!! von 20.000...). Neben den Bettgestellen, auf denen teilweise noch Metallfesseln und Foltergegenstaende liegen, haengt ein Foto, auf dem das Auffinden der Leiche dokumentiert wird. Sehr schreckliche Bilder von verstuemmelten Leichen. Auf dem Boden ist immer noch das eingetrocknete Blut zu sehen. Die Balkone sind mit Stracheldraht gesichert, damit sich die Gefangenen nicht in den Tod stuerzen konnten um weiterer Folter zu entgehen. Es ist unglaublich, mit welcher Grausamkeit die Khmer Rouge vorgingen. Vor allem, als klar war dass Utopia nicht funktioniert, weil statt der erwarteten Verdopplung der Reisproduktion noch weniger als vorher produziert wurde, die Menschen verhungerten und neue Verantwortliche gesucht und verfolgt wurden, stieg die Zahl der Toetungen noch weiter an. Als das Geld fuer Benzin fuer die Todestransporte ausging, wurden die Menschen hinter den Lastwagen hergeschliffen und nach dem Tod irgendwo im Feld verscharrt. Als die Munition nicht mal mehr ausreichte um mehrere Leute in eine Reihe zu stellen und mit derselben Kugel zu toeten, wurden sie schlicht erschlagen und ihnen die Kehle durchgeschnitten. Muettern wurden die Babys aus den Armen gerissen und gegen einen Baum geschmettert. Auf den Killing Fields sind bisher 8985 Leichen ausgegraben worden, Schaetzungen gehen von insgesamt 17.000 Toten aus. In vielen Teilen des Landes gibt es aehnliche Massengraeber. Man laeft dort zwischen den ausgegrabenen Massengraebern herum, ueberall liegen noch Kleidungsfetzen und Knochen rum. Es ist einfach nur erschuetternd, sehr sehr traurig und unvorstellbar was hier vor nur 30 Jahren abging.

Kambodscha hat sich inzwischen wieder relativ gut erholt, aber die Wunden sitzen tief. Aber die Leute sind sehr freundlich und freuen sich wenn Touristen kommen. So.. jetzt hab ich mich in dem neuen Blog mal nur mit der Schreckensherrschaft der roten Khemer befasst. Das Thema beschaeftigt mich gerade sehr. Ich kann einfach nicht fassen zu was Menschen in der Lage sind. Ich will jetzt eigentlich gar nicht mehr schreiben was ich in Kambodscha schon alles erlebt habe. Ich lass lieber Bilder sprechen. Nur soviel.. mir geht es nach wie vor hervorragend, ich sehe viele tolle Sachen (mit Aussnahme von heute) die mich immer wieder umhauen, lerne sehr nette Leute kennen und bin noch mit viel Spass und Freude auf Tour. Aber so langsam freu ich mich dann auch wieder auf zuhause.. mein Bett, guter Kaffee, Schlagzeug spielen, Mamas Essen und und und. Aber vor allem freu ich mich auf euch alle!!! Bald gehts nach Vietnam, meine letzte Station. stay tuned!
euer Simon

Freitag, 15. August 2008

Zentral- und SuedLaos

Ja er lebt noch :-) - immer noch in Laos, aber nicht mehr lange. Morgen frueh nehm ich den Bus nach Kambodscha, Siem Reap. Die maechtigen Khmer Tempel Angor Wat sind Kambodschas groesste Sehenswuerdigkeit und abekannt aus den Filmen Tomb Raider und Dschungelbuch. Aber jetzt erst mal was bisher geschah: Mein letzter Eintrag kam aus Vang Vieng. Dort hab ich mit den Leuten die ich auf der Mekong-Bootstour kennengelernt hab noch ein paar tolle Tage verbracht. Wir waren tuben und viel mit dem Roller rumduesen. Leider hats fast ununterbrochen geschifft und viele Strassen waren ueberschwemmt und unpassierbar. Weiter gings in Laos Hauptstadt Vientiane. Das war die mit Abstand ruhigste Hauptstadt wo ich je war. Dort gibts eigentlich gar nichts. War da auch nur ein Tag als Zwischenstopp, um den Nachtbus in Sueden zu kriegen. 700 km - 12 h ueber Nacht, jeder hat sein eigenes Bett. So macht Busfahren Spass und ich hab eigentlich die ganze Zeit nur gepennt. In Vientiane hab ich mich von den andern getrennt und ich war wieder allein. Aber bereits im Bus hab ich den Chris aus Muenchen kenngelernt mit dem ich die letzte Woche nun auf Tour war. Es sind so viele Traveller unterwegs, ok, lang nicht so viel wie in Thailand, aber man laeft sich einfach immer wieder ueber den Weg oder lernt schon auf der Fahrt jemand kennen der das gleiche Ziel hat. Auch wenn man alleine reist ist man eigentlich nie allein.
An der Grenze zu Kambodscha befindet sich ein einzigartiges Feuchtgebiet das von den Laoten Si Phan Don genannt wird - the 4000 islands. Hier erreicht der Mekong seine groesste Ausdehnung. Auf einer Laenge von 50 km und einer Breite von bis zu 14 km gliedert sich der groesste Fluss sued-ost Asiens in etliche Kanaele und gibt hunderte kleiner Inseln frei. 3 Stueck sind bewohnt und auf Don Det hab ich 4 gechillte Tage verbracht. Ueberhaupt ist hier in den Laendern der Mekong-Region gerade sehr wenig los, denn es ist Regenzeit. Aber auf der Insel war echt gar nichts los. Chris, 2 Wuerzburger, 3 Portugiesen und ich waren so ziemlich die einzigen Besucher. Wir hatten ne tolle Holzhuette direkt am Mekong. Viel schlafen und essen, lesen, im Mekong baden, Bier und laotischer Whiskey trinken (Flasche 1 Euro), mit dem Hausaffen des Guesthouses spielen, mit dem Fahrrad die Insel erkunden und Delphine beobachten (ja! in diesem Teil des Mekong gibts Delphine!) waren die Tagesbeschaeftigungen. Es gibt weder Elektrizitaet noch ein Wassersystem, Strom gibts nur Abends fuer 3 Stunden aus dem Generator. Die Guesthouses haben Duschen mit Wasser aus dem Fluss und Regenwasser, die Einheimischen baden nur im Fluss. Verrueckt. Und weil ich sehr gut im Zeitplan war, von Laos mehr als begeistert bin und nach diesen relaxten Tagen wieder etwas Action noetig hatte, sind Chris und ich nochmal 150 km zurueck in Norden gefahren. In Pakxe haben wir uns 2 Roller ausgeliehen und waren die letzten 3 Tage nun im Hochland unterwegs. 300 km auf meist beschissenen Strassen, gluecklicherweisse fast nur Sonne, angenehmes Klima, etliche tolle Wasserfaelle, fantastische Landschaften, herrliche Ausblicke und viele Doerfer. Das unberuehrte Laos, fernab vom Massentourismus. Haben waehrend der 3-Tages-Tour vielleicht 5 andere Traveller gesehn. Die Doerfer fand ich am coolsten. Mehr Schweine und Ziegen als Menschen, ueberall laufen die Viecher rum und man muss sich einen Weg bahnen. Die Leute wohnen in Holzhuetten auf Stelzen, unter dem Haus sind die Schweine die den Muell, der von der Kueche durch ein Loch nach unten geschmissen wir, gleich futtern. Und dann die Esskultur der Laoten... vor den Haeusern sitzt die ganze Family beisammen, in der Mitte ein grosser Eimer mit Riesen-Heuschrecken und dann wird denen erst mal der Darm rausgezogen, danach kommen sie auf den Grill. Ausserdem gibts gegrillte Ratte und Frosch. Echt unglaublich... Deshalb hat unser Mittagessen manchmal halt nur aus Reis bestanden. Zurueck in Pakxe hab ich mir vorhin dann erst mal wieder richtig den Bauch vollgehauen! :-D
Laos war super, ich bin gespannt wie Kambodscha wird. Morgen frueh gehts los. 14 h Busfahrt... :-(


Gewidmet meiner Tante Susi, die letzte Woche ihren 50. Geburstag hatte. Haett so gern mit euch gefeiert!

Montag, 4. August 2008

NordLaos

So, bin in Laos. Krasses Land. Hier mal ein paar Infos:
Touristisch geht hier noch sehr wenig, denn wegen der sozialistischen Fuehrung ist Reisen erst seit 12 Jahren moeglich. Das besondere in Laos ist die malerische Karstlandschaft und die ethnische Vielfalt. 3/4 des Landes bestehen aus Gebirge, Dschungel und Fluessen, es gibt wilde Elefanten und Tiger. Auf 236.800 qkm leben 5,6 mio. Menschen, in keinem anderen Land der Region teilen sich so wenig Menschen so viel Flaeche. Laos ist eines der aermsten Laender der Welt. Jedes elte Kind stirbt in Folge von Unterernaehrung und schlechten hygienischen Bedingungen. Jeder dritte Laote kann weder lesen noch schreiben, die Lebenserwartung liegt bei 55 Jahren.
Ist krass hier mit dem Bus durch die wunderschoene Landschaft zu fahren, immer wieder kommen kleine Doerfer wo die Menschen unter heftigen Bedingungen wohnen. In Indonesien hab ich ja schon einiges gesehen, aber das hier ist noch ne Stufe haerter.
Letzte Woche gings von Pai zurueck nach Chiang Mai und von dort an die Grenze Thailand - Laos, Chiang Khong. In dem Guesthouse dort hab ich paar nette Leute aus England, Finnland und Holland kennengelernt, die die selbe Tour haben wie ich und seither sind wir zusammen unterwegs. Zunaechst mit einem sehr gemuetlichen Boot 2 Tage auf dem Mekong, durch tolle Schluchten und fantastische Aussichten auf die Berge, nach Luang Prabang. Unterwegs haben wir in einem kleinen Dorf genaechtigt und wurden von Mama Su mit Schlangen- und Skorpion-Whiskey verwoehnt... Also die Viecher sind in dem Whiskey eingelegt.. war gar nicht uebel. Ueberhaupt hab ich in den letzten Wochen so viel unbekanntes komisches Zeugs gegessen und getrunken (ist einfach so toll ueber den Markt zu schlendern und futtern, futtern, futtern :-) - kein Wunder dass ich gerade heftige Magenprobleme hab... Luang Prabang. Dieses kleine Staedtchen, direkt am Mekong und umgeben von hohen Bergen, ist seit ein paar Jahren UNESCO-Weltkulturerbe und hat einiges zu bieten. Die aeltesten und schoensten buddhistischen Bauwerke in Laos, tolle Maerkte (leckere Insekten!), den morgendlichen Almosengang der Moenche und viel viel Flair. Von dort aus haben wir paar Ausfluege unternommen, unter anderem zu einem Wasserfall der aus 30 m Hoehe in die Tiefe stuerzt, in natuerlichen Swimming-Pools kann man baden und von den Baeumen springen, top! Und jetzt bin ich in Vang Vieng, einem noch keineren Ort mit noch schoenerer Landschaft. Vang Vieng ist die Touri-Hochburg des Landes, das Angebot an Freizeitaktivitaeten ist riesig. Trekking, Klettern, Raften, Mountain-Biking uvm. Aber das Highlight ist Tubing! Man leiht sich einen grossen Autoreifen, laesst sich ein paar km aus der Stadt fahren und dann gehts auf dem Fluss (der hat wegen der Regenzeit gerade sehr viel Wasser und geht ganz schoen ab) zurueck Richtung City. Viele Einheimische haben da ne Niche entdeckt und jetzt gibts alle paar hundert Meter eine Fluss-Bar wo man rasten und ein Bierchen trinken kann. In einer Stunde gehts los, der Regen hat gerade aufgehoert und die Sonne ist da. Jipiieehh!

Ach ja, auf der linken Seite hab ich ein neues Photoalbum und auf der Karte koennt ihr sehen wo ich die Bilder aufgenommen hab und dadurch auch meine Reiseroute erkennen. Cya!